Später nehmen wir Paul mit zum Reitplatz. Nase kraulen und säuseln. Das zieht auch bei ihm. Kleines Einmaleins für uns Pferdeflüsterer in spe: Pferde sind Herden- und Fluchttiere, von Natur aus friedfertig, gesellig und zutiefst harmoniebedürftig. Paul spitzt die Ohren und wendet sich uns zu. Zeit, die Rangordnung zu klären. Gelassen akzeptiert Paul auch eine Anfängerin. Es genügt, ein Stück von seinem Platz zu beanspruchen. Dann weiß er, wer das Sagen hat und vertraut sich der Führung an. Vorausgesetzt, ich halte ihn nicht krampfhaft am Zügel fest. Distanz halten, nähe erlauben, das Pferd mit Bestimmtheit beeindrucken, wir tun das mit und ohne Hilfsmittel wie Gerte, Bürste, Strick oder einem verknoteten Handtuch. Mitstreiterin Petra macht es uns vor: Mit nichts als ihrem erhobenen Arm dirigiert die zierliche Person den großen Paul.Das Pferd geht zurück, kommt auf sie zu, bleibt stehen, folgt ihr ... . Ein starkes Bild für den ersten Tag. Wir staunen - und tun es ihr gleich, ganz leicht.
Nachmittags sitzen wir im Sattel, üben Anfahren und Anhalten und stellen fest, dass es von oben herab weit schwieriger ist, dem Partner Pferd klar, liebevoll und eindeutig mitzuteilen, wo es langgeht. Leichtes Streichen des Stiefels am Pferdebauch soll genügen, um Ronja in Bewegung zu setzen. Die Berührung mit der Reitgerte, meinem verlängerten Arm, treibt sie an, immer schneller, wenn ich dranbleibe. Die Zügel als Notbremse hat Frau Reger abmontiert: Wir bremsen einfach, sagt sie, indem wir aufhören zu treiben. Sonst nichts. Ich verstehe: Fuß vom Gaspedal nehmen.
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